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18. März 2017 06.30 Uhr  SWR
RICHARD WAGNER - Für König und Revolution
Ein Film von Reinhold Jaretzky und André Meier
"Meistersinger", "Der Tannhäuser", "Lohengrin" ... - jeder kennt Motive oder Melodien aus den Werken von Richard Wagner. Der Künstler erlebte politische Zeitenwenden wie die Revolution von 1848/49 und vereinigte in seinem Leben und Schaffen Paradoxien. Der Film zeichnet das Porträt eines genialen Komponisten und größenwahnsinnigen "Kunstegoisten".
Mai 1849 - Dresden brennt, das Volk rebelliert und auf den Barrikaden steht ein Mann, der als Erneuerer der europäischen Musik Geschichte macht: Richard Wagner. Sein politisches Rebellentum zwingt ihn jahrelang ins Exil, denn er wird steckbrieflich verfolgt. Bis zu seinem 52. Lebensjahr ist er auf der Flucht vor seinen Gläubigern. Schließlich beschert ihm die Begegnung mit Bayernkönig Ludwig II. ein herrschaftliches Auskommen wie keinem anderen deutschen Komponisten je zuvor. Später wandelt sich der Schöpfer der "Meistersinger" zum national konservativen Staatskünstler.
Romantik und Rebellion eines "Kunstegoisten": Untrennbar verbunden mit seinen politischen Grundanschauungen ist sein musikdramatisches Schaffen. Wagner lebt die Zeitenwenden und vereinigt die Paradoxien: Romantische Sehnsucht und anarchistische Rebellion, Hang zur Monarchie und sozialistische Hoffnungen, germanische Mythen und musikalische Revolutionierung der Oper. Der Film erzählt die Geschichte eines nahezu größenwahnsinnigen "Kunstegoisten", der alles, ob politische Revolution oder die Leidenschaft eines Königs in den Dienst seiner künstlerischen Kreativität stellt. Gleichzeitig ist er ein Verführer, der für seine Visionen stets Massen von Bewunderern und enorme Geldsummen fand.
1864 wendet sich das Schicksal des ewig verschuldeten Komponisten, der vor seine Gläubigern durch halb Europa flieht endgültig zum Positiven: Wagner findet in dem 18jährigen Bayerkönig Ludwig II. einen Bewunderer seiner Kunst und Sponsor auf Lebenszeit. "Wagner - Für König und Revolution" zeigt die Geschichte eines Genies, dessen Opernwerk bis heute weltweit gefeiert wird.




6. März 2017 01.30 Uhr  ARTE
RICHARD STRAUSS: Das umstrittene Musikgenie
Regie: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Er wurde als Avantgardist gefeiert und als Reaktionär verteufelt. Seinem Erfolg hat das nicht geschadet. Richard Strauss ist der unbestritten bedeutendste Komponist des 20. Jahrhunderts. Er wurde vor 150 Jahren, am 11. Juni 1864, in München geboren. Seinen Kritikern wie seinen Bewunderern gilt er als ein Alleskönner, der am Dirigentenpult ebenso reüssierte wie als Komponist mit seinen schon früh weltweit aufgeführten Tondichtungen.  Als Opernkomponist etablierte er sich mit einem Paukenschlag 1905 an der Dresdener Hofoper: seine erotisch aufgeladene und reichlich mit Dissonanzen ausgestattete „Salome“ galt Zeitgenossen als ein Skandalstück, das jedoch ins Zentrum des Avantgardegeschmacks traf.  Fünf Jahre später verzeichnete Strauss, wiederum in Dresden, einen weiteren spektakulären Erfolg. Seine Oper „Der Rosenkavalier“ wurde über Nacht zu einem Magnet für das deutsche und europäische Musikpublikum. Zusammen mit dem Librettisten Hugo von Hofmannsthal gelang ihm mit diesem Werk ein Stilmix voller mozartscher Anspielungen, seitdem erweist sich der Dauerbrenner „Rosenkavalier“ als ein unverwüstliches Repertoirestück. Immer wieder wurde die Elbestadt Dresden zum Ort seiner Triumphe, neun seiner fünfzehn Opern, beginnend mit „Feuersnot“ im Jahre 1901, wurden an der Hofoper uraufgeführt.  Das eingeschworene Team, das diese Erfolge möglich machte, bestand aus dem Komponisten Strauss, dem Generalmusikdirektor der Dresdener Hofoper Ernst von Schuch (später folgten ihm Fritz Busch und Karl Böhm)  und der sächsischen Staatskapelle. Nahezu demütig erinnert sich der Komponist im Alter an „die Klänge dieses Meisterorchesters“, das in ihm „stets von neuem Gefühle innigster Dankbarkeit und Bewunderung wachrufe, mit denen ich jedes Mal, zuletzt im Juni 1944, aus dem geliebten Theater schied." Im Jahre 1945 liegt die Welt des Richard Strauss in Schutt und Asche. Der Komponist, der sich allzu eng mit den Nazis eingelassen hatte, zeitweise als Präsident der Reichsmusikkammer fungierte, ihnen Hymnen schrieb, klagt: „Mein schönes Dresden-Weimar-München, alles dahin!“.  Mit seinen letzten Kompositionen,  der Trauerklage „Metamorphosen“ und den „Vier letzten Liedern“, hält er eine beklemmende Rückschau. Der Arte-Film wirft Schlaglichter auf den Karriereweg des Künstlers; Musiker, Theaterleute und Strauss-Kenner beleuchten in ausführlichen, subjektiven Blicken Werk und Leben des Komponisten.


Tagesspiegel 2.2.2017
„Warum soll ich klingen wie die Alten?“
Zum 80. Geburtstag des einflussreichsten Kopfes der Minimal Music:
Der Komponist Philip Glass über Avantgarde, Weltmusik –
und seinen Job als Möbelpacker.
Reinhold Jaretzky im Gespräch mit Philip Glass
Glass

Mr Glass, Sie haben in den 60er Jahren etwas Unerhörtes getan: Sie haben Melodien, Harmonien, Einfachheit, sogar Schönklang in die Musik zurückgeholt, in einer Zeit, in der die atonale Avantgarde das europäische Musikleben beherrschte. Stand dahinter ein Konzept?

Ich folgte damals einem ganz einfachen Prinzip: Ich suchte nach Tabus, also nach dem, was man gemeinhin nicht tun sollte, und genau das tat ich dann. Mit dem Ergebnis, dass es am Ende erstaunlich frisch klang. Denn seit Jahren hatte niemand mehr so etwas geschrieben. Es war ja regelrecht verboten, mit Melodien, Harmonien und Ähnlichem daherzukommen. Und als wir einmal damit begonnen hatten, gehörte dieses Feld plötzlich uns ganz allein, das war wunderbar. Ich glaube, es war meine mehr oder weniger bewusste Reaktion auf die Musik des frühen 20. Jahrhunderts, auf die Musik von Webern, Schönberg oder Berg. Und diese Musik hat sich dann verbreitet, sie wurde eine Art Institution, sie wurde gar als „Zukunft der Musik“ bezeichnet.

Es war die Zeit der seriellen Musik.Hielten Sie sich von deren Vertretern fern?

Ich lebte in den 60er Jahren in Paris. Dort hatte die Neue Musik eigene Konzertreihen, und wir sind in all diese Konzerte gegangen. Ich habe mir Karlheinz Stockhausen angehört, auch Luigi Nono, einfach alles. Das war großartige Musik, es war nur nicht die Musik, die wir selbst schreiben wollten. Man kann es so ausdrücken: Wenn ich ein Tischler wäre, warum sollte ich Möbelstücke bauen, die so aussehen wie die, die mein Vater oder gar mein Großvater gebaut hat? Warum hätte ich also klingen wollen wie jemand, der 50 oder 100 Jahre vorher Musik geschrieben hat? Es war keinesfalls so, dass wir diese Musik nicht mochten. Im Gegenteil, wir liebten diese Musik zu sehr, um davon nur einen schwachen Abglanz zu erzeugen. Warum sollte man ein zweitklassiger Stockhausen werden, wenn man ein erstklassiger Steve Reich werden konnte?

Hatten Sie eine persönliche Beziehung zu Stockhausen?

Nein, ich kannte ihn nicht gut. Ich wollte ihn gar nicht näher kennen. Als Person war er sehr unangenehm. Ein schwieriger Mensch, der abstoßende Dinge sagte, er war schlichtweg unmöglich! Allerdings habe ich damals seine Person mit seiner Musik verwechselt. Doch er hat in dieser Zeit die stärkste Musik geschrieben. Auch wenn ich das damals noch nicht so sah.

Spätestens mit Ihrer Erfolgsoper „Einstein on the Beach“ schien Ihr Konzept aufzugehen. Die Oper erlebte ungewöhnlich viele Neuinszenierungen auf der ganzen Welt, bis heute.

Eigentlich war „Einstein“ gar nicht als Oper gedacht. Es gab lediglich Musik für ein kleines Ensemble, und wir brauchten einige Sänger. Robert Wilson hatte allerdings ein Bühnenset entworfen, das eine Vorrichtung zum Hoch- und Runterfahren der gemalten Kulissen erforderlich machte. Wir brauchten eine Bühnenrampe, auch ein Proszenium. Eine Konzerthalle war nicht ausreichend, denn die hat ja keinen Orchestergraben. Der einzige Ort, an dem wir es aufführen konnten, war ein Opernhaus. Und so wurde daraus eine Oper!

Damit haben Sie 1975 die Avantgarde vom Sockel gestoßen.

Es war unvermeidlich, dass sie vom Sockel gestoßen wurde. Bedenken Sie: 1970 gab ich mein erstes Konzert in New York, und 1976 war ich mit der „Einstein“-Oper bereits in der Metropolitan Opera. Da liegen gerade mal sechs Jahre dazwischen! Es kam so, weil es so kommen musste! Jemand musste es tun, und wenn ich es nicht gemacht hätte, dann hätte es eben jemand anderes getan.

Ravi Shankar ist einer Ihrer Lehrer, Sie lernten ihn in Paris kennen. Hat er Ihren Stil geprägt?

Nun, er war mein allererster Kontakt zu dem, was wir heute Weltmusik nennen. Einer Musik, die nicht auf europäisch-westlicher Kunstmusik basiert. Wir kommen ja alle von dieser Kunstmusik, wir haben Bach und Beethoven studiert, das war’s dann aber auch. Während Ravi Shankar sich in unserer westlichen Musik sehr gut auskannte, hatten wir von der Musikkultur in Indien oder Afrika keine Ahnung. In unseren Bibliotheken gab es keine Aufnahmen von afrikanischer Musik. Dabei rede ich von renommierten Musikhochschulen wie der Juilliard School. Wenn man dort in die Bibliothek ging und nach Weltmusik suchte, gab es da nichts. Wir wussten nicht einmal, dass so etwas überhaupt existierte. So war Ravi Shankar derjenige, der mir die Tür in diese Welt geöffnet hat.

Sie haben sich Ihre Karriere anfangs, auch wirtschaftlich, hart erarbeiten müssen, Sie haben längere Zeit als Taxifahrer gejobbt.

Oh, das war nur ein Job unter vielen. Ich war auch Möbelschlepper, ich habe auf dem Bau gearbeitet, als Klempner, wir haben alles Mögliche gemacht. Und meine Arbeitskollegen waren allesamt Maler, Bildhauer oder Musiker. Wir fanden in diesen gewerkschaftlich wohlorganisierten Berufen Arbeit, weil sich viele einen professionellen Klempner oder Möbelpacker nicht leisten konnten. So haben wir unsere Wochenenden im Truck zugebracht und Möbel geschleppt. Aber immer dann, wenn ich genügend Musik geschrieben hatte, bin ich mit meinem Ensemble auf Tour gegangen. Bei der Rückkehr war das Geld dann verbraucht und ich habe wieder angefangen zu arbeiten. Diese Art zu leben schuf mir einen großen Freiraum. Mit 42 Jahren war ich dann in der Lage, von meiner Musik zu leben. Und das war, wenn ich ehrlich bin, verhältnismäßig früh. Das hatte ich erst sehr viel später erwartet.

Sie haben unglaublich viel Musik geschrieben, Kammermusiken, Sinfonien, Streichkonzerte, Opern, Filmmusiken, ein riesiges Werk. Was hat Sie angetrieben?

Ich war lange davon überzeugt, dass die Leute immer etwas Neues hören wollten, also habe ich auf meinen Tourneen in jeder Spielzeit neue Musik mitgebracht. Zunächst Musik für mein Ensemble, dann habe ich begonnen, für Tanzkompanien, Theatergruppen und Filmproduktionen zu arbeiten. Aber diese Dinge forderten nicht meine eigentlichen Fähigkeiten heraus, es waren Auftragsarbeiten. Jetzt schreibe ich überwiegend Musik wie meine 11. Sinfonie, die ich gerade beendet habe. Und ich arbeite ich an meinem 3. Klavierkonzert.

Sie gelten als bekanntester Vertreter der Minimal Music, doch Sie selbst lehnen diese Etikettierung ab.

Oh nein, ich bin nicht gegen den Begriff Minimal Music an sich, denn ich habe vieles geschrieben, was den Namen verdient. Ich finde diese Bezeichnung problematisch, weil sie nur eine bestimmte Phase meiner Musik beschreibt. Ich bin ja ein Komponist, der mittlerweile ganz andere Musik schreibt. Betrachten wir die letzten 35 Jahre, so trifft der Begriff auf vielleicht die Hälfte meiner Musik zu, auf die andere Hälfte jedoch gar nicht. „Naqoyqatsi“ zum Beispiel ist definitiv nicht minimalistisch. Oder meine elf Sinfonien: keine einzige!

Sie kommen aus einer jüdischen Familie, fühlen Sie sich der jüdischen Tradition in irgendeiner Weise verbunden?

So gut wie überhaupt nicht. In meiner Familie sind wir seit drei Generationen Atheisten. Das bedeutet zwar nicht, dass man nicht jüdisch ist, aber: Ich weiß nicht einmal, wann das jüdische Neujahr ist. Mir hat mal jemand „Happy New Year“ gewünscht und ich dachte, der spinnt doch! Bis ich merkte: Ach, der meint dieses jüdische Neujahr! Lassen Sie sich im Übrigen nicht verwirren, sehr viele sind so wie ich.

Das Gespräch führte Reinhold Jaretzky. Übersetzung aus dem Amerikanischen: Stephany Mundt


12. Januar 2017, 22.05 Uhr  MDR/artour
16. Januar 2017, 19.15 Uhr  3Sat/Kulturzeit
Gustavo Dudamel. EL SISTEMA
Autor: Reinhold Jaretzky
Gustavo Dudamel ist das Aushängeschild von EL SISTEMA, jenem venezolanischen Musikprojekt, das die Jugendlichen im ganzen Land in Orchestern organisiert und an die klassische Musik heranführt. EL SISTEMA gibt es seit 40 Jahren, es hat aber in den letzten Jahren einen besonderen Aufschwung genommen. Gründer José Antonio Abreu (heute 72) wollte Kindern und Jugendlichen, vornehmlich aus den Armenvierteln, durch Musik eine Perspektive jenseits von Gewalt und Drogen eröffnen. Instrumente statt Messer und Pistolen, das war seine Vision. Inzwischen zählt die Stiftung EL SISTEMA 400 Orchester, 342 Chöre und 230 Musikschulen mit 4000 Lehrern. Derzeit werden um die 500.000 Kinder und Jugendliche unterrichtet. Wer dabei ist, bekommt nicht nur Instrumente, sondern wird auch mit Essen und Getränken versorgt. Dirigenten wie Claudio Abbado, Simon Rattle oder Daniel Barenboim sowie die Berliner Philharmoniker haben "El Sistema" immer wieder unterstützt. Inzwischen wird EL SISTEMA weltweit kopiert, u.a. in Kanada, England und den USA, dort in mehr als 14 Staaten. In diesem Jahr wurde während der Salzburger Festspiele der Grundstein für eine österreichische Variante gelegt. Auftakt ist eine CD ("Bilder einer Ausstellung"), die Dudamel mit den Wiener Philharmonikern eingespielt hat. Dudamel gibt es inzwischen auch als Filmhelden, in der mit dem Golden Globe als beste Comedy-Serie ausgestrahlten Serie "Mozart in the Jungle".


30. Oktober 2016, 23.05 Uhr  ARD/ttt
Der Thriller-Autor Robert Harris
Autor: Reinhold Jaretzky

harris

Der ehemalige BBC- und Sunday-Times Journalist Harris ist besessen von einem Thema: der Macht. Investigativ jagt er ihr in seinen Romanen nach, ob im antiken Rom, in Nazideutschland oder im gegenwärtigen Turbokapitalismus. Das Faszinosum Macht ist der Treibstoff seiner Geschichten, und die haben Suchtpotential. Nach Harris ist Macht wie Plutonium und die ganze Menschheitsgeschichte besteht in dem Bemühen, diesen Sprengstoff unter Kontrolle zu behalten. Keiner darf zu viel davon haben und er muss in den richtigen Händen liegen.
Sein Ehrgeiz: schreiben wie seine Vorbilder, wie Dickens, Defoe, Orwell. Das heißt: Recherche, pralle Wirklichkeit, als Thriller erzählt. Mit diesem bewährten Rezept verkauft Harris weltweit viele Millionen seiner Romane. "Romane können auch eine pädagogische Funktion haben. Sie können uns etwas lehren, Ich habe eine Menge in meinem Leben aus Romanen gelernt. Aus Romanen über die Antike, aus historischen Romanen. Und warum nicht", so Harris. In seinem neuen Roman ist der Vatikan Schauplatz seiner Thriller-Fantasien. Der Erzählfluss ist dieses Mal zäher als gewohnt, dafür werden wir mit Insiderwissen reichlich belohnt. In der purpurnen Elite wird nämlich knallhart um den Papststuhl gekämpft, Intrigen und Verleumdungen werden zu Herzstücken dieses christlichen Rituals. Das Konklave ist die älteste Wahl der Welt. Sie ist 700 Jahre alt. Es ist die geheimste Wahl und in westlicher Hinsicht die mächtigste überhaupt. Der Papst repräsentiert immerhin 1,2 Milliarden Katholiken. Harris war fasziniert von der Idee, dass sich da 120 ältere Herren in eine Kapelle einschließen, beten, und plötzlich mit einem neuen Papst herauskommen. Detektivisch hat Harris die vatikanische Welt durchleuchtet. Er hat in päpstlichen Archiven und anonymen Protokollen gestöbert, sich auf Fachliteratur geworfen, die Tatorte mit vatikanischer Sondergenehmigung besichtigt. Er schreibt seine Romane mit der Neugierde des Reporters. Das Dorf gibt ihm die Ruhe für seine monatelangen Recherchen.
W ie etwa sein Finanzmarkt-Thriller "Angst". Er will zeigen wer und was uns beherrscht. Dass an den Börsen Monster gedeihen – und dass sogar eine Papstwahl fairer und demokratischer ist als ein entfesselter Digitalkapitalismus. "Die Macht hat die politische Arena verlassen. Zwar versuchen die Politiker verzweifelt, am Ball zu bleiben. Sie wollen diesem System einen Sinn geben, doch sie kontrollieren es schon lange nicht mehr", so Robert Harris. Er lebt wie ein britischer Landadliger, doch er schreibt populär, für alle. Fesselnd sollen seine Bücher sein – und uns die Welt verständlicher machen. Gebrauchsliteratur nennt er das: ganz bescheiden.


2. Oktober 2016, 23.05 Uhr  ARD/ttt
JOANAS KAUFMANN. Lieder aus dem Sehnsuchtsland
Autor: Reinhold Jaretzky
Mit Mozart und Wagner, mit Verdi und Puccini wurde er berühmt. Nun betritt Jonas Kaufmann ein von Italienern eifersüchtig bewachtes Musik-Terrain, auf dem Ausländer  eigentlich gar nichts zu suchen haben: italienische, vor allem neapolitanische Lieder. Mit seiner CD DOLCE VITA bedient er die uralte Sehnsucht nach dem Süden, da wo wir Deutsche seit Goethe immerzu sein wollen. Die Titel sind herzzerreißend, Schmelz und Schmalz sind das süßliche Gift dieser unverwüstlichen Melodien, in die sich alle, von Caruso bis Pavarotti, mit Inbrunst geworfen haben.

gergiev

Kaufmanns Italien-Album hat den Anschein eines Marketing-gesteuerten Verkaufsschlagers. Tatsächlich aber ist der Tenor hier ganz er selbst. Italien, das ist sein ganz persönliches Sehnsuchtsland, diese Kultur hat ihn von klein auf geprägt.
Ich habe, erzählt er, sehr viel Zeit als Kind in Italien verbracht, auch das sehr genossen, habe mich dort immer zuhause und wohl gefühlt, habe dadurch auch die Sprache sehr gut erlernt. Und auch das Gefühl für die Sprache, für dieses italienische Gefühl, ich weiß nicht, wie ich es anders ausdrücken soll, erlernt.


21. August 2016, 23.05 Uhr  ARD/ttt
Beitrag: Weimar unter Palmen. Die Thomas-Mann-Villa in Kalifornien
Autor: Reinhold Jaretzky
"Weimar unter Palmen" hat man diesen Ort genannt. Oder auch: Hauptstadt der deutschen Literatur. Hier im Westen von Los Angeles hatte sich die von Hitler vertriebene Geisteselite versammelt: Brecht, Feuchtwanger, Döblin, Schönberg, Werfel, Heinrich Mann.Und in ihrem Zentrum der großer Zauberer aus Lübeck: THOMAS Mann. "Wo ich bin, ist Deutschland", lautete seine Selbstdefinition. Geblieben ist von ihm dieses Haus. 1942 ließ er diese Villa im Bauhausstil von dem Berliner Architekten Ralph Davidson bauen. Hier wurde Weltliteratur geschrieben.

Thomas Mann

Dass dieses Haus nun verkauft und wohl abgerissen wird, ist für die deutsche Kulturszene ein Skandal! Die Villa steht nämlich zum Verkauf, als  Einfamilienhaus mit fünf Schlafzimmern und knapp 500 Quadratmetern Wohnfläche für 18.Millionen Dollar.Der Name THOMAS MANN wird nicht einmal erwähnt. Bei diesem Millionendeal spielt keine Rolle, was an diesem Ort passiert ist. Es ist nicht nur die Dichterbehausung, in dem Thomas Mann sein großes Alterswerk, darunter Romane wie Doktor Faustus schrieb. Es ist auch Zufluchtsort für die vielköpfige Familie und für die Schar der Übersee-Exilanten. Und hier wurde Anti-Hitler-Politik gemacht, hier trafen sich  Thomas und Heinrich mit ihren geflüchteten Kollegen  und planten ein antifaschistisches Nachkriegsdeutschland. Das Intellektuellen-Magazin NEW YORKER nannte Thomas Mann den Goethe in Hollywood, er galt als „greatest living man of letters.  Der Nobelpreisträger war in den USA ein gefragter Versammlungsredner,  ein Prominenter in Presse und Rundfunk. Die Frage ist: wieviel ist deutschen Bundespolitikern dieser Mann und der Erhalt seiner Villa wert? Immerhin ist der amerikanische Staatsbürger Thomas Mann für Deutschland noch immer ein Markenartikel. Einer der besten, den wir haben.


16. Juli 2016, 19.30 Uhr  3Sat
Valery Gergiev - Macher und Magier
Buch und Regie: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Seine Berufung als neuer Chef der Münchner Philharmoniker sorgt für Begeisterung und Verstimmung gleichermaßen: Denn Valery Gergiev, russischer Stardirigent, hat zwar magische musikalische Qualitäten, seine Nähe zu Putin aber gefällt hierzulande nur wenigen. "Kulturzeit extra" nähert sich dem "Phänomen Gergiev" an: dem Künstler, Menschen und politischen Zeitgenossen. Zu Wort kommen prominente Weggefährten wie Placido Domingo, Jan Vogler und Thomas Quasthoff. Valery Gergiev ist ein "Macher", ein Workaholic, der stets an mehreren Orten gleichzeitig zu sein scheint. Als einer der bedeutendsten Dirigenten und Akteure im internationalen Musikbetrieb ist Gergiev in der russischen Musiktradition verwurzelt. Er hat dem Mariinsky Theater in St. Petersburg wieder zu internationalem Rang verholfen. Hier ist er zu Hause, von hier aus zieht er seine Kreise und pendelt zu seinen Dirigaten in alle großen Metropolen der Welt.

gergiev

In München sorgt Gergiev – laut "Time Magazine" einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten auf der Welt – schon vor Antritt für Begeisterung, aber auch für Verstimmung. Der mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin sympathisierende Dirigent hat es wie kein anderer verstanden, mit der Nähe zur Politik seine musikalischen Großprojekte voranzutreiben. Damit provozierte er in Deutschland Diskussionen über die Rolle der Kunst in der Gesellschaft und die politische Verantwortung des Künstlers. Mit Valery Gergiev erobert einer der umtriebigsten Dirigenten unserer Zeit den traditionellen Chefposten der Münchner Philharmoniker. Ein Talentscout und -förderer: er hat Anna Netrebko, Maxim Vengerov und viele andere entdeckt und deren Karrieren vorbereitet. Trotz seines vollen Terminkalenders hat er immer ein offenes Ohr und bringt mit seiner Spontaneität so manchen Zeitplan durcheinander. Wie wird er in Deutschland angenommen und warum wollten die Münchener Philharmoniker gerade ihn?


13. Juli 2016, 19.20 Uhr   Kulturzeit/3Sat
50 Jahre Star Trek
Autor: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Star Trek

Star Trek ist seit 50 Jahren Kult, Star Trek ist Entertainment, Star Trek ist Blockbuster. Aber Star Trek war von Beginn an auch eine Art philosophisches Unternehmen, politisch  irgendwie „links“ und immer wieder von der Zensur bedroht. Star Trek Erfinder Gene Roddenberry hatte ein gesellschaftskritisches, antirassistisches, emanzipatorisches, sozialutopisches Fernsehformat im Auge, aus dem später bekanntlich auch Kinofilme wurden. Star Trek-Darstellerin  Michelle Nichols war eine der ersten schwarzen Frauen, die eine größere Rolle im US-amerikanischen Fernsehen spielen durfte. Star Trek zeigte den ersten Kuss im Fernsehen zwischen einem weißen Mann und einer schwarzen Frau in den Vereinigten Staaten, südliche US-Bundesstaaten verboten damals eine Ausstrahlung dieser Folge.1995 zeigte Star Trek den Kuss zweier Frauen, ein Skandal. Star Trek Begründer Gene Roddenberry nannte sein Filmprojekt eine ‚soziale Philosophie“, das auf populäre Weise die humanen Bedingungen des Menschseins diskutieren sollte und das die NBC deshalb als „zu intellektuell“ ablehnte. Roddenberry ging davon aus, daß er seine aufgeklärten philosophischen Ansichten über das Medium des Films besser als in Buchform verbreiten könnte. Er wollte spektakuläre Unterhaltung mit Substantiell-Philosophischem kombinieren.  Die moralphilososphische Substanz seiner Filme: Respekt für die vielfältigen Kulturen und Lebensformen, die Ablehnung aller Arten von Diskriminierung, Sklaverei, Rassismus und anderer Unterdrückung, die Überwindung von Krieg und Armut, von tyrannisch-totalitären politischen Ordnungen, gegen Dogmatismus, gegen allen Glauben an Übernatürliches oder Wunder, die Hochschätzung des Einsatzes der Wissenschaft für friedliche Zwecke. Am 21.Juli startet Star Trek Beyond, und die internationale Enterprise-Gemeinde ist hochnervös, aber nicht nur die. Auch in Jena am Philosophischen Institut der Universität steht die Weltraummission ganz oben auf der Agenda. Prof. Dr. Klaus Vieweg, einer der international bedeutendsten Hegel-Experten, verliert sich gerade in Welten, die noch nie jemand betreten hat. Er hat nämlich ein populäres Buch geschrieben: DIE PHILOSOPHIE IN STAR TREK. Und er sagt: das ist gute Philosophie für alle.



1. Juli 2016, 20 Uhr, Montreal Kanada

            Montreal premiere friday july 1st, 8 pm, montreal | hd stereo |
88 min | English
BRANFORD MARSALIS - The Sound Illusionist
Regie: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm 2015 | Filmlänge ca. 90 Minuten
Trailer: youtube | info


Branford Mardalis

Branford Marsalis ist einer der weltweit bedeutendsten Jazz-Saxophonisten. Der Film „Branford Marsalis. The Sound Illusionist“ erzählt die Geschichte dieses Musikers: seinen Weg aus der berühmtesten Jazz-Dynastien Amerikas, seine Karriere an der Seite von Miles Davis und Sting bis zur Etablierung eines eigenwilligen Marsalis´schen Programms, das auf stilistische Vielfalt besteht und eine Nähe zur europäischen, speziell deutschen Klassik sucht. Der Film zeigt den Konzert-Jazzer Marsalis, den Klassik-Solisten und den engagierten politischen Bürger, der den Rassismus seines Landes kritisiert und der sich dem Wiederaufbau seiner zerstörten Heimatstadt New Orleans verschrieben hat.


28. Juni 2016, 06.00 Uhr  Phoenix
Der Kreuzzug der Kinder. Eine szenische Dokumentation
Buch und Regie: Reinhold Jaretzky / Martin Papirowski | Produktion: Zauberbergfilm
In zahlreichen historischen Chroniken wird berichtet, wie sich Tausende Kinder und Jugendliche zwischen acht und fünfzehn Jahren im Mittelalter auf die Pfade der gepanzerten Kreuzritter begaben. Eine tödliche Expedition, die immer noch weitgehend im Dunkeln liegt. Der Film nimmt sich erstmals dieses rätselhaften Ereignisses an und rekonstruiert die Hintergründe des Phänomens. In Köln zieht im Jahr 1212 ein Knabe namens Nikolaus Tausende von Kindern und Jugendlichen mit fanatischen Reden in seinen Bann: Sie seien auserwählt, Jerusalem zu befreien. Das Mittelmeer werde sich vor ihnen teilen und trockenen Fußes würden sie das Heilige Land erreichen. Zur gleichen Zeit gelingt dem jungen Schäfer Stefan im französischen Cloyes mit gleichlautenden Versprechungen Scharen unbewaffneter Kindersoldaten an dem Ufer der Loire gen Süden in Bewegung zu setzen. Später hat man dieses deutsch-französische Ereignis "Kinderkreuzzüge" genannt, ein immelfahrtskommando, das Zehntausende von Opfern forderte. Die Dokumentation rekonstruiert auf der Basis geschichtswissenschaftlicher Forschung die Hintergründe dieses Phänomens, für das die religiöse Bewegung der "Freiwilligen Armen" ebenso bedeutend war wie Not und Elend kindlicher Existenz im 13. Jahrhundert. Mit ungewöhnlich hohem filmtechnischen Aufwand, darunter Computeranimationen wie sie auch in filmischen Großproduktionen wie "Der Herr der Ringe" und "Harry Potter" verwendet wurden, begibt sich der Film szenisch in den grausamen Alltag der Kinder, die barfuß und nur leicht bekleidet in den schneebeckten Alpen erfroren, verhungerten oder Fieber und Seuchen erlagen.

kreuzzug

Ihr Weg führte sie an die italienische bzw. französische Mittelmeerküste. Zwielichtige Kaufleute lockten sie auf Schiffe, von denen viele untergingen und dabei Hunderte in den Tod rissen. Andere Schiffe gelangten nach Nordafrika, wo die jugendlichen Mitreisenden an Bordelle oder als Sklaven verkauft wurden. Mehr als 600 Einzeldarsteller waren an dem Film beteiligt, ein kompletter mittelalterlicher Straßenzug wurde eigens für die Produktion nachgebaut. In einer Mischung aus Dokumentation und Spielszenen lässt der Film das tödliche Schicksal der Kinder noch einmal aufleben. Renommierte Historiker gehen der Fragen nach, warum sich die Kinder zu dieser Mission so bereitwillig verführen ließen. Die Verbindung von übersteigerter Religiösität, kindlicher Verführbarkeit und sozialem Druck führte, so die zentrale These, in dieser Tragödie.


26. Juni 2016, 10.00 Uhr  hr
Deutschland deine Künstler
Dieter Hallervorden
Regie: Hilka Sinning | Produktion: Zauberbergfilm
Nach 50 Dienstjahren "Didi" als Komiker der Nation, hat Dieter Hallervorden mit 80 Jahren erreicht, was er in Wahrheit schon immer wollte: die Anerkennung als Charakterdarsteller. Mit seiner Komik brachte er die Deutschen vor dem Fernseher zum Lachen, als Schauspieler rührt er sie im Kino zu Tränen. Als Marathonläufer Paul stellte er in "Sein letztes Rennen" ein Altersheim auf den Kopf, in Til Schweigers Demenz-Drama "Honig im Kopf" erreichte er zuletzt ein Millionenpublikum.Endlich konnte Hallervorden zeigen, was er selten durfte: die Verbindung von Komik und Tragik mit Seelentiefe, etwas, das in Deutschland nur selten gelingt. Für die jungen Kinogänger ist er eine Entdeckung; für sein angestammtes Publikum, das ihn aus Comedy-Fernsehserien in Erinnerung hat, eine Überraschung.


19. Juni 2016, 23.00 Uhr  TTT/ARD
Faszination Tito
Autor: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Der brillante Staatsmann und gnadenlose Diktator Tito war als Jugendlicher Gastarbeiter bei Benz in Mannheim. Später kämpfte er gegen Hitlers und Mussolinis Armee und siegte. Anschließend nahm er es mit Stalin auf und führte  Jugoslawien  in die Unabhängigkeit. Er war ein Lebemann, der sich gerne mit Filmstars umgab, er war immer wie aus dem Ei gepellt, fünfmal am Tag zog er sich um. Politische Repräsentanten wie Königin Elisabeth und Churchill schwärmten von seinem Charme. In keinem sozialistischen Land der Welt wurde so gut und auch so verhältnismäßig frei gelebt wie in Jugoslawien. Doch nach seinem Tod passierte, was er selbst ängstlich vorausgesehen hatte: Titos Reich brach zusammen. Joze Pirjevec, Professor für Geschichte und ausgewiesener Tito-Experte, legt nun eine kritische Biografie des Staatsmannes vor: Sie ist das Ergebnis einer 30-jährigen Forschungsarbeit, in der es gelang, zahlreiche Quellen aus verschiedenen Archiven erstmals auszuwerten.


18. Juni 2016, 19.30 Uhr Kulturpalast/3Sat
GUTE PHILOSOPHIE FÜR ALLE / Star Trek wird fünfzig
Autor: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm



Weitere Sendetermine

 

29. Mai 2016, 23.00 Uhr    ttt/ARD
Coldplay – "A Head Full Of Dreams"
Autor: Andreas Krieger | Produktion: Zauberbergfilm
Coldplay schreiben diese großen kleinen Melodien, die man nie mehr loswird. Jedes Lied ist perfekt auf seine euphorische Wirkung geprüft. Keine Zufälle, viel Kontrolle. Die Kritiker waren nur selten freundlich. Die New York Times nannte Coldplay die unerträglichste Band. Vier Freunde, die alles teilen: das Geld und die Häme. Die gleiche Besetzung seit Gründung, sie teilten sich sogar ein Wohnhaus. Auch sonst passiert vieles einfach so: "Yellow" zum Beispiel, der erste Hit. In fünf Minuten geschrieben, angeblich, als Parodie auf Neil Young. Heute sind Coldplay der kleinste gemeinsame Nenner des Pop. Songs, die quasi aus Refrain bestehen. Eurotechno-Sounds. Die frühen Fans steigen da aus. Aber für Coldplay ist das kein Problem, sie wissen, wer sie sind. Und sie bewundern sich gegenseitig


22. Februar 2016, 23.00 Uhr TTT/ARD
ADDIO PROFESSORE. Zum Tod von Umberto Eco
Autor: Reinhold Jaretzky
Umberto Eco

Er war ein beispielloser Universalist und unablässig tätig, ob als Philosoph, Essayist, als Zeitungskommentator oder Romancier. Mit seinem Bestseller Der Name der Rose schrieb er einen Jahrhundertroman, darin wandelte er akademisches Geschichtswissen in ein packendes, durchfabuliertes  Lesevergnügen. Er hatte ein faible fürs Triviale, weil die verachtete, niedere Kunst von der Gesellschaft oft mehr erzählt als das Hochartifizielle. So wurde er zum Comic-Experten, lauschte Schlager nach geheimen Botschaften ab und schrieb gar einen Essay über Kommissar Derrick. Der Krimi war für Umberto die Urform aller Metaphysik, weil er stur die Frage aller Fragen – Wer hat es getan? – verfolgt. So wird auch die Bibel zum Krimi, die bekanntlich eine Antwort auf die Frage versucht, wer denn eigentlich die Welt erschaffen hat. Ironie und Humor war die Grundsubstanz
Eco´schen Denkens und Kommunizierens. Er war die vielleicht letzte moralische Autorität, die sich in ganz Europa Gehör verschaffen konnte.

Umberto Eco
Reinhold Jaretzky im Gespräch mit Umberto Eco

Als wir im letzten Sommer in seinem Haus in den Marken bei ihm waren, hatte er noch viel vor. Ein neues Buch bei Hanser. Sein Verlagsprojekt La Nave di Teseo zusammen mit Elisabetta Sgarbi. Ein Ehrendoktor in Jena, im Oktober 2016, am Lehrstuhl von Hegel, Schelling und Fichte. Ich fragte ihn nach dem Älterwerden, er sagte: Wenn man älter wird, wird man zum Pessimisten. Ich: Gezwungenermaßen? Er: Naja, man schafft es nicht mehr, die Menschen zu ertragen.


5. März 2016, 00:00 Uhr  Kino Royal/MDR
Über den Film „El Clan“, Regie: Pablo Trapero
Autor: Reinhold Jaretzky
Sie sind die netten Nachbarn von nebenan, in deren Keller gefoltert und gemordet wird. Psychologisch ausgefeilt, mit düsterem Humor erzählt Trapero einen Thriller, der uns in die Abgründe einer autoritären Gesellschaft und einer patriarchalischen Gehorsamskultur führt.
Aus dem historischen Kriminalfall schnitzt er ein Psychodrama, dem wir mit Faszination und Schrecken zwei Stunden lang gebannt folgen.


28. Februar 2016, 16:15 Uhr  Metropolis/arte
Umberto Ecos letzter Roman
Autor: Reinhold Jaretzky
Umberto Eco´s Roman “Nullnummer” (“Numero Zero“) ist eine Parodie  auf den italienischen Tagesjournalismus, eine Art Handbuch für die Erstellung schmieriger, verlogener, verantwortungsloser Presseprodukte. Wir befinden uns im Jahre 1992 in Mailand, das beginnt, als „Tangentopoli“ in die Geschichte einzugehen, die Korruptionsaufarbeitung „mani pulite“ nimmt gerade Anlauf und Berlusconi steht am Beginn seiner atemberaubenden Polit-Karriere. Der große Skeptiker Umberto Eco treibt in seinem letzten Roman ein Spiel mit Schein und Sein. Offensichtlich hat er großen Spaß am Denken, am Verwirren, am Säen von Zweifeln, am Zerstören von sicher geglaubten Wahrheiten. Er legt laufend falsche Fährten und fordert den Leser auf, sich mit Heldenmut  seines Verstandes gegen die Einflüsterungen der alten und neuen Massenmedien zu bedienen.


27. Februar 2016, 16:15 Uhr  Phoenix
19. Dezember 2015, 18:00 Uhr  MDR
Zum Tod von Kurt Masur. Ein Nachruf von Reinhold Jaretzky

Masur

Das große deutsche Repertoire war sein Gebiet: Bruckner, Brahms und vor allem Beethoven. Er begab sich leidenschaftlich wie ein Forscher in die Musik, völlig uneitel, das Dirigentengetue war ihm verhasst, auf den Taktstock verzichtete er, der war ihm zu autoritär. Kurt Masur: das ist eine Weltkarriere: fast 30 Jahre lang war er Chef des Leipziger Gewandhauses, dann riefen ihn die großen Orchester, in London, Paris und New York. Die Musiker liebten seine deutsche Strenge, Genauigkeit, das Publikum sein schnörkelloses, solides, ehrliches Musizieren.


20.September 2015, 23.05 Uhr  Titel Thesen Temperamente/ARD
Der ARD-Musikwettbewerb 2015
Autor: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Dieser Wettbewerb ist für Musiker weltweit eine große Hoffnung: gewinnen und mit der Karriere beginnen! Große Namen im Klassikbetrieb haben es vorgemacht: Thomas Quasthoff (1988), Anne Sofie von Otter (1982) und sogar Jessye Norman (1968) gewannen und starteten durch. Seit 1952 gibt es den ARD-Musikwettbewerb, der jährlich in München stattfindet. Im Fach Gesang kamen dieses Mal vier Sängerinnen ins Finale, kein Mann und niemand aus Deutschland. Dafür wunderbare Stimmen aus den USA, aus Südkorea, England und Frankreich. TTT hat die vier Gesangskandidatinnen vor der mit Spannung erwarteten Jury-Entscheidung begleitet und ihrem Gesang zugehört.


26. Juli 2015, 23.05 Uhr  Titel Thesen Temperamente/ARD
Der Sänger Peter Schreier
Autor: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Er heißt Peter Schreier, und er hat als Tenor mit seiner sanften, lyrischen Stimme diesen Namen – Schreier – 60 Jahre lang ins Gegenteil gewendet. Hinter ihm liegt eine atemberaubende Karriere Er war der große Mozart, Oratorien und Liedsänger, er sang an der Met in New York, hat in Japan seinen Fanclub und Karajan rief ihn über Jahrzehnte im Sommer nach Salzburg. Dabei ist er vor allem ein bekennender Dresdener.


11. Juni 2015, 22.05 Uhr  artour /MDR
Die Odysee eines Bach-Gemäldes
Autor: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Dieser Sog von Rhythmus und Melodie! Ungezählte, unverwüstliche Hits hat er geschrieben. das berühmte Bach-Gemälde zeigt, wie er ausgesehen hat, der  Mann mit der Rotweinnase und dem weisen Lächeln. Johann Sebastian Bach. Es ist das einzig authentische Portrait des Barockkomponisten, Wert 2,5 Millionen US-Dollar. 265 Jahre ist es durch die Welt gereist. Die Odyssee eines Bildes: noch im  18. Jahrhundert gelangte das von Haußmann gemalte Portrait in die Hände des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel. Dann erwarb es ein Kaufman aus Breslau. 150 Jahre später, 1936, brachte ein deutsch-jüdischer Nachkomme dieser Familie das Bild nach England  und bewahrte es so vor den Zerstörungen des Krieges. Nach dem Krieg ersteigerte der amerikanische Sammler William Scheide das Gemälde und brachte es in dieses Haus in Princeton.  Und genau hier im vergangenen April dann: der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und der Dirigent Gardiner feiern die Schenkung des Bildes an das Leipziger Bach-Archiv . Es war der großzügige letzte Wille des verstorbenen Philanthropen Scheide.


26. März 2015, 22:05  artour/MDR
Bismarck zum 200. Geburtstag
Autor: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Er war ein Politiker, der, gemessen an der Straßen, Plätze oder Monumente, die nach ihm benannt wurden, der absolute Superstar ist: weltweit gibt es mehr als 10 000. Allein in Deutschland sind es mindestens 721 Bismarck-Strassen, 146 "Bismarck-Türme" und 97 Bismarck-Denkmäler. Kaum ein Politiker hat die deutsche Geschichte so geprägt wie dieser Eiserne Kanzler.  Vor 200 Jahren, am 1. April 1815, wurde er in Schönhausen im Landkreis Stendhal geboren. Die Legenden lauten: Kohl hat das geteilte Deutschland wieder zusammengezimmert. Und Bismarck der legendäre Reichsgründer. Doch die Wahrheit ist eine andere. Ohne Masterplan haben die beiden Polit-Kolosse  lediglich die Gunst der Stunde genutzt: keine Helden, sondern profane Pragmatiker!


15. März 2015, 09.15  MDR
Bücher, über die man spricht
Autoren: Reinhold Jaretzky, Marita Stocker

22. Januar 2015, 22.05 Uhr  Artour/MDR
Wie Ausschwitz gedenken?
Autor: Reinhold Jaretzky | Produktion: Zauberbergfilm
Das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ist - als das größte deutsche Vernichtungslager der Nazis – ist ein Symbol der Shoa. Vor 70 Jahren wurde es von der Roten Armee befreit. Und das bedeutet: in diesem Monat, im Januar 2015, wird hochoffiziell und auf vielen Festveranstaltungen an die Terrorherrschaft der Nazis erinnert. Doch das WIE all der der gutgemeinten Gedenkaktivitäten ist umstritten. Welche und wie viele Gedenkrituale braucht eigentlich unser Land?